Schiff kaufen – Arbeits-, Fracht- & Wohnschiffe
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Wer ein Schiff kaufen möchte, bewegt sich in einer anderen Welt als beim Sportboot: Ab 20 Metern Länge gelten eigene Zeugnisse, Patente und Registerpflichten. Über diesem Text finden Sie die aktuellen Angebote privater Eigner, vom ehemaligen Frachtkahn bis zum ausgebauten Wohnschiff. Hier lesen Sie, welche Schiffstypen gehandelt werden, welche Papiere Sie brauchen und worauf Sie bei der Besichtigung achten sollten.
Welche Schiffe privat verkauft werden
Der private Markt besteht vor allem aus ausgemusterten Berufsschiffen und deren Umbauten. Typisch sind:
- Frachtschiffe aus der Binnenschifffahrt. Wer ein Frachtschiff kaufen möchte, stößt meist auf kleinere, ältere Einheiten. Die Abmessungen folgen den europäischen Wasserstraßenklassen: Eine Péniche misst 38,5 × 5,05 Meter und lädt 300 bis 400 Tonnen, ein Kempenaar 50 × 6,60 Meter, ein Europaschiff 85 × 9,50 Meter mit rund 1.350 Tonnen Ladevermögen.
- Lastkähne ohne Antrieb. Ein Schleppkahn ist laut Binnenschiffspersonalverordnung zur Güterbeförderung gebaut und wird geschleppt, eine eigene Maschine reicht allenfalls für kleine Ortsveränderungen. Wer einen Lastkahn kaufen will, plant ihn deshalb fast immer als Liegeschiff, Ponton oder Wohnbasis.
- Arbeitsschiffe wie Schlepper, Schubboote oder schwimmende Geräte. Sie gelten unabhängig von der Länge als untersuchungspflichtig.
- Fahrgastschiffe. So nennt die Verordnung Schiffe für mehr als 12 Fahrgäste. Ein ausgedientes Kabinenschiff vom Rhein oder der Donau ist für Privatleute das, was einem Kreuzfahrtschiff kaufen am nächsten kommt. Für den Weiterbetrieb mit Gästen gelten allerdings die strengen Anforderungen an Fahrgastschiffe.
- Wohnschiffe. Ausgebaute Binnenschiffe oder Prahme dienen als dauerhafte Wohnung. Nach der Wiedervereinigung wurden zum Beispiel die Wohnprahme der DDR-Wasserbauer an Privatleute verkauft, einige liegen bis heute in Hausbootsiedlungen in Hamburg und Berlin.
Binnenschiff kaufen: Schiffsattest und Untersuchung
Bevor Sie ein Binnenschiff kaufen, prüfen Sie die technische Zulassung. Laut ELWIS besteht eine Untersuchungspflicht für alle Fahrzeuge ab 20 Metern Länge oder mit einem Produkt aus Länge × Breite × Tiefgang über 100 Kubikmeter, außerdem für Schlepp- und Schubboote, Gefahrgutschiffe, Fahrgastschiffe und schwimmende Geräte. Diese Schiffe brauchen ein Schiffsattest oder Unionszeugnis nach der Binnenschiffsuntersuchungsordnung (BinSchUO).
Darauf sollten Sie achten:
- Gültigkeit. Fahrgast- und Tankschiffe werden meist alle fünf Jahre untersucht, andere Fahrzeuge erhalten Zeugnisse mit bis zu zehn Jahren Laufzeit. Ein Attest, das bald ausläuft, bedeutet einen Werftaufenthalt mit offenem Ergebnis.
- Zone. Im Zeugnis steht, für welche Wasserstraßen es gilt. Ein Rhein-Zeugnis gilt auch auf Zone 3 und 4, etwa auf Elbe, Weser, Mosel oder Donau. Für Zone 1 und 2 (zum Beispiel Unterelbe) gelten höhere Anforderungen.
- Umbau. Wird ein Schiff umgebaut oder seine Zweckbestimmung erweitert, ist eine Sonderuntersuchung fällig. Das betrifft fast jeden Umbau zum Wohnschiff.
- ENI-Nummer. Seit April 2007 führen alle Fahrzeuge mit Schiffsattest eine achtstellige europäische Schiffsnummer, die das Schiff ein Leben lang begleitet. Deutsche Nummern beginnen mit 040 bis 059.
Die Untersuchung führt das Dezernat Technische Schiffssicherheit der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt durch, in der Regel in einer Werft.
Patent und Führerschein: was Sie zum Fahren brauchen
Für die private Nutzung gilt eine klare Staffelung nach Länge:
| Länge | Erforderlicher Befähigungsnachweis (Binnen) |
|---|---|
| unter 20 m, Motor über 11,03 kW | Sportbootführerschein Binnen |
| 20 bis 25 m (Sportfahrzeug) | Sportschifferzeugnis (Sportpatent) |
| über 25 m oder gewerbliche Nutzung | Unionspatent |
Das Sportschifferzeugnis gibt es nach theoretischer und praktischer Prüfung bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Voraussetzung sind laut Binnenschiffspersonalverordnung ein Mindestalter von 18 Jahren und ein Sprechfunkzeugnis. Auf Seeschifffahrtsstraßen gilt der Sportbootführerschein See ohne Längenbegrenzung, allerdings nur für die private Nutzung. Was der Einstieg kostet, steht unter Sportbootführerschein Kosten.
Schiffsregister und Eigentum
Anders als beim Sportboot ist die Eintragung ins Binnenschiffsregister beim Amtsgericht oft Pflicht. Nach der Schiffsregisterordnung muss der Eigentümer ein Binnenschiff anmelden, wenn es zur Güterbeförderung bestimmt ist und mindestens 20 Tonnen trägt, wenn es als anderes Schiff mindestens 10 Kubikmeter verdrängt oder wenn es ein Schlepper, Tankschiff oder Schubboot ist. Lassen Sie sich vor dem Kauf einen aktuellen Registerauszug zeigen: Dort stehen der eingetragene Eigentümer und die eingetragenen Rechtsverhältnisse am Schiff. Grundlagen zur Anmeldung kleinerer Fahrzeuge finden Sie unter Boot anmelden.
Wohnschiff kaufen: Umbau und Liegeplatz
Wer ein Wohnschiff kaufen oder ein altes Schiff kaufen und selbst ausbauen will, sollte den Liegeplatz vor dem Schiff klären. An Bundeswasserstraßen verlangt das Bundeswasserstraßengesetz für Benutzungen und Anlagen eine Anzeige beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Meldet sich das Amt binnen eines Monats nicht, ist keine Genehmigung erforderlich; sonst wird die strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung nötig, oft mit Auflagen. In Hamburg etwa brauchen fest liegende Hausboote eine wasserrechtliche Genehmigung.
Praktisch heißt das: Ein günstiges altes Schiff ohne genehmigten Platz bleibt ein Projekt. Klären Sie zudem mit der Gemeinde, ob dauerhaftes Wohnen an der gewünschten Stelle zulässig ist. Hinweise zu Liegeplätzen gibt der Ratgeber Liegeplatz Kosten, zu kleineren Wohnbooten der Ratgeber Hausboot Preis.
Frachtschiff kaufen gebraucht: diese Punkte prüfen
Wer ein Frachtschiff kaufen gebraucht möchte, kauft fast immer einen Stahlrumpf mit Jahrzehnten Betrieb. Die BOOTE nennt für Stahlschiffe und Motoren diese Prüfpunkte:
- Rost und Beulen. Achten Sie auf Rostblüten und Dellen in der Außenhaut, besonders an Scheuerstellen und im Bereich der Wasserlinie.
- Galvanische Korrosion. Prüfen Sie den Bereich um die Propellerwelle und die Seeventile. Opferanoden sollen sichtbar abgenutzt sein; sehen sie nach Jahren neu aus, arbeiten sie nicht.
- Kaltstart. Der Motor soll ohne Zögern anspringen. Weißer Rauch weist auf Wasser im Zylinder hin, schwarzer auf unvollständige Verbrennung, blauer auf Ölverbrennung. Warm sollte der Öldruck bei 2 bis 3 bar liegen.
- Betriebsstunden. Der Stundenzähler allein sagt wenig. Motoren, die lange im Teillastbereich liefen, können trotz weniger Stunden eine Überholung brauchen.
- Papiere. Schiffsattest mit Restlaufzeit, Registerauszug, ENI-Nummer und Wartungsunterlagen gehören zum Kauf.
Lassen Sie ein Schiff dieser Größe immer von einem Bootsgutachter mit Erfahrung in der Berufsschifffahrt prüfen, am besten auf der Helling. Die allgemeine Gebrauchtboot kaufen Checkliste hilft bei der Vorbereitung. Mit welchen Ausgaben Sie insgesamt rechnen müssen, zeigt der Ratgeber Was kostet ein Boot.
Schiffe direkt vom Eigner
Alle Schiffe auf dieser Seite werden von privaten Eigentümern angeboten. Sie verhandeln direkt und können gezielt nach Werftrechnungen, Untersuchungsberichten und der Geschichte des Schiffs fragen. Ist gerade nichts Passendes dabei, hinterlegen Sie unter Boot gesucht einen Suchauftrag. Einen Überblick über alle Bootstypen bietet Yacht kaufen.
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Häufige Fragen
Welchen Führerschein brauche ich für ein privates Schiff über 20 Meter?
Der Sportbootführerschein Binnen gilt nur für Sportfahrzeuge unter 20 Metern. Für Sportfahrzeuge von 20 bis 25 Metern ist auf allen Binnenschifffahrtsstraßen ein Sportschifferzeugnis nötig, das nach theoretischer und praktischer Prüfung bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt erteilt wird. Darüber hinaus berechtigt nur das Unionspatent.
Wann braucht ein Schiff ein Schiffsattest?
Untersuchungspflichtig sind nach ELWIS grundsätzlich alle Fahrzeuge ab 20 Metern Länge oder mit einem Produkt aus Länge, Breite und Tiefgang über 100 Kubikmeter, außerdem Fahrgastschiffe, Schlepp- und Schubboote. Sie benötigen ein Schiffsattest oder Unionszeugnis, das bis zu zehn Jahre gültig sein kann.
Muss ich ein gekauftes Binnenschiff ins Schiffsregister eintragen lassen?
Ja, wenn es zur Güterbeförderung bestimmt ist und mindestens 20 Tonnen trägt, wenn es als anderes Schiff mindestens 10 Kubikmeter Wasser verdrängt oder wenn es ein Schlepper, Tankschiff oder Schubboot ist. Das Register führt das zuständige Amtsgericht.
Kann ich ein altes Frachtschiff zum Wohnschiff umbauen?
Technisch ja, viele Wohnboote sind ehemalige Binnenschiffe. Ändern Sie Bau oder Zweckbestimmung, folgt eine Sonderuntersuchung. Wer dauerhaft an einer Bundeswasserstraße liegen will, braucht außerdem einen genehmigten Liegeplatz; zuständig ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt.
Quellen
- Untersuchung – ELWIS / Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, abgerufen am 2.10.2026
- Sportbootführerscheine – ELWIS / Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, abgerufen am 2.10.2026
- Binnenschiffspersonalverordnung § 15 Geltungsbereich der Befähigungszeugnisse – Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 2.10.2026
- Binnenschiffspersonalverordnung § 39 Erwerb des Schifferzeugnisses – Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 2.10.2026
- Binnenschiffspersonalverordnung § 2 Begriffsbestimmungen – Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 2.10.2026
- Schiffsregisterordnung § 10 – Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 2.10.2026
- Bundeswasserstraßengesetz § 31 Strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung – Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 2.10.2026
- Binnenschiff – Wikipedia, abgerufen am 2.10.2026
- Wohnschiff – Wikipedia, abgerufen am 2.10.2026
- Schwimmhaus – Wikipedia, abgerufen am 2.10.2026
- Gebrauchtbootkauf: Auf diese Schwachstellen sollten Sie achten – BOOTE, abgerufen am 2.10.2026
- Ratgeber Gebrauchtbootkauf: So prüfen Sie den Motor richtig – BOOTE, abgerufen am 2.10.2026